Kreativität entsteht im Zwischenraum

23.08.2019 | Design Offices

Michael Schmutzer
Quelle: Design Offices

Michael O. Schmutzer, Geschäftsführer und Gründer des Corporate Coworking-Anbieters Design Offices über lernfähige Arbeitslandschaften, die Bedeutung von Kommunikation und die Arbeit der Zukunft.

 

Wie verändert die »New Work«-Revolution unsere Arbeitsumgebungen?

Früher war der Arbeitsraum mit Status verbunden, so sind wir geprägt. In Zukunft brauche ich einen Raum für meine Aufgabe, nicht für mich als Person. Ich habe selbst seit einem Jahr kein Büro mehr, die meiste Zeit bin ich in Meeting-Räumen. Als wir vor zehn Jahren mit Design Offices angefangen haben, wollten viele Unternehmen die Leute ins Homeoffice schicken. Aber das war der falsche Ansatz. Im Homeoffice vereinsamen die Menschen. Unternehmen brauchen Orte, an denen Kommunikation entstehen kann.

Arbeitsumgebung
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"In Zukunft brauche ich einen Raum für meine Aufgabe, nicht für mich als Person. - Michael O. Schmutzer, Design Offices"

Wie können Arbeitsräume Kreativität und Innovation fördern?

Wir haben gelernt, dass Arbeit nicht nach Arbeit aussehen muss. Kreativität entsteht in Zwischenräumen, die unterschiedlichste Begegnungen ermöglichen. Das kann eine Sofanische sein, eine andere Art Küche oder ein Raum, der aussieht wie eine Bibliothek. Viele Unternehmen waren bis vor Kurzem der Meinung, wenn sich zwei Leute am Nachmittag beim Kaffee unterhalten, dann hat das nichts mit Arbeit zu tun. Aber das ist vorbei. Wie oft passiert es uns, dass uns die Lösung für ein Problem, über das wir lange gegrübelt haben, unter der Dusche oder beim Spazierengehen einfällt!

"Unternehmen brauchen Orte, an denen Kommunikation entstehen kann. - Michael O. Schmutzer, Design Offices"

Wie gehen Sie bei Design Offices an neue Arbeitsumgebungen heran?

Wir denken in Gesamtszenarien, in Landschaften. Mal will man mit anderen an einem großen Tisch sitzen, mal sich zurückziehen und Mails bearbeiten oder telefonieren. Wir bauen flexible Arbeitslandschaften, die Raum für fokussiertes Arbeiten bieten, für Learning und Socializing. Eine Arbeitslandschaft muss lernfähig sein. Sie darf nicht den Eindruck machen, als wäre sie nach zwei Jahren Planung wie ein Raumschiff gelandet. Besser man plant nur ein Jahr. Eine Arbeitslandschaft muss Veränderungen aufnehmen können.

Design Offices
Quelle: Design Offices

Werden neue Arbeitsformen wie Coworking nicht überschätzt?

Das glauben wir nicht. Wir gehen davon aus, dass im Jahr 2020 bereits 40 Prozent der Arbeit Projektarbeit sein wird. Als Enabler für New Work für Industrie und Mittelstand bieten wir Arbeitslandschaften für Corporate Coworking an. Wir haben seit 2018 frisches Wachstumskapital, damit wollen wir unser Flächenangebot in den nächsten Jahren deutlich vergrößern

Wird es in Zukunft überhaupt noch Büros geben?

In den klassischen Bereichen wird Arbeit extrem abnehmen, das wird auch die Orte der Arbeit komplett verändern. Dann können Büros nicht mehr auf acht Stunden klassische Computerarbeit ausgelegt sein. Vielleicht arbeiten wir auch nur noch zwei oder drei Tage pro Woche. Ich bin für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Wenn wir nicht mehr 40 Stunden arbeiten müssen, haben wir endlich Zeit, Mensch zu sein. Dann können wir darüber nachdenken, was uns wirklich Spaß macht.