Modern Working – Arbeiten mit Verstand statt mit Vorschriften

09.12.2019 | Andres Kunz

Modern Working
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Deutsche Büroarbeiter wollen flexibler arbeiten. Das zeigt eine aktuelle Studie des IT-Branchenverbands Bitkom. So ist fast die Hälfte (45 Prozent) der Befragten überzeugt, dass ein gesetzlicher Anspruch auf Home Office bestehen sollte. 82 Prozent wünschen sich im Job eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Und ganze 96 Prozent, also fast jeder, will sich nicht mehr an Arbeitszeitvorgaben halten müssen, sondern sich diese frei einteilen können.

 

Betrachtet man aktuelle Stellenangebote, kommt jedoch durchaus die Frage auf, warum derartige Wünsche geäußert werden. Denn auf dem Papier hat offenbar fast jedes Unternehmen schon längst eine New-Work-Kultur ins Leben gerufen. Egal ob es der allgegenwärtige Kicker-Tisch ist, flexible Arbeitszeiten oder Laptops für alle, damit man Desk-Sharing betreiben und auch mal im Home Office oder ganz wo anders arbeiten kann – all das und noch viel mehr wird Job-Interessenten versprochen.

Anspruch und Wirklichkeit gehen oft auseinander

Doch die Wirklichkeit sieht oft anders aus. Da wird sich um die begehrtesten Plätze gestritten beziehungsweise belegen immer dieselben Kollegen bestimmte Schreibtische. Arbeiten von außerhalb des Büros wird unnötig erschwert, denn ein Zugriff auf Dateien ist nur per VPN möglich und außer den E-Mails funktioniert generell wenig reibungslos. Und Gleitzeit ist nur in der Theorie möglich, wenn die Geschäftsführung eine Kernarbeitszeit von 9 bis 18 Uhr festlegt. Natürlich wird dann neuen Mitarbeitern gegenüber schnell betont, dass man ja noch in der Übergangsphase steckt und sich das in ein paar Wochen schon noch einpendelt. Aber schnell herrscht Ernüchterung und im schlimmsten Fall verlassen die Angestellten das Unternehmen noch in der Probezeit.
Doch Firmen können hier mit relativ geringem Aufwand gegensteuern und dafür sorgen, dass ein Wandel auch tatsächlich stattfindet – statt nur vollmundig angekündigt zu werden.

Erziehen heißt vorleben

Grundsätzlich beginnt jede Initiative in Richtung Modern Working bei der Geschäftsführung. Es heißt also nicht nur, den Wandel per Dekret anzuweisen, die Chefetage muss mit gutem Beispiel voran gehen. Der Vorgesetzte sollte also der Erste sein, der jeden Tag an einem anderen Schreibtisch sitzt, die Gleitzeitregelung nutzt oder sich am Nachmittag zum Arbeiten auf die Dachterrasse – sofern vorhanden – setzt.

Natürlich geht das nicht völlig ohne Regeln, damit sich niemand genötigt fühlt, rund um die Uhr erreichbar zu sein oder ständig abends von Zuhause aus zu arbeiten. Ansonsten ist der großflächige Burnout bei den Mitarbeitern vorprogrammiert. Auch sollten die Kollegen entsprechend sensibilisiert werden, um Überlastungen bei Teammitgliedern schnell zu erkennen und anzusprechen.

Technik, die begeistert

Technik für das Home Office
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Natürlich muss auch die Technik stimmen. Die „klassische“ Büroausstattung mit Desktop-PC, schnurgebundenem Telefon und festem Schreibtisch samt Rollcontainer funktioniert bei einer „Work from anywhere“-Philosophie nur sehr eingeschränkt. Stattdessen benötigen die Mitarbeiter Laptops mit Webcams – die im Idealfall extern sind, um maximale Qualität zu gewährleisten – und hochwertigen Headsets, eine virtuelle Telefonanlage, um Gespräche auch am Rechner oder Smartphone annehmen zu können, sowie eine Datenhaltung in der Cloud – egal ob die nun Sharepoint, Dropbox, Google Drive oder sonst wie heißt.

Darüber hinaus benötigt jedes Büro entsprechend ausgestattete Meetingräume, das bedeutet hochauflösende Konferenzkameras mit – je nach Raumgröße – ausreichend großem Sichtfeld und externe Mikrofone für eine einwandfreie Audioübertragung. Außerdem sollten, je nach Büro-Layout, genügend Rückzugsmöglichkeiten für Mitarbeiter vorhanden sein. Denn gerade in Großraumbüros möchte nicht unbedingt jeder seinen Kollegen bei langen Telefonaten zuhören müssen.

Vereinbarkeit von Job und Familie

Neue, flexible Arbeitskonzepte kommen dabei vor allem Menschen mit Familie zugute. Gerade Alleinerziehende müssen aufgrund der vor allem in Städten immer weiter steigenden Lebenshaltungskosten immer mehr arbeiten. Das bedeutet, dass sie in vielen Fällen in Konflikt mit den Einrichtungen für die Kinderbetreuung geraten. Denn viele Kindergärten haben oft nur bis zum frühen Nachmittag geöffnet, Eltern müssen ihre Kinder wegen Überfüllung der nächstgelegenen Kitas in kilometerweit entfernte Einrichtungen fahren, Plätze an Ganztagsschulen sind – wenn es sie denn überhaupt gibt – hart umkämpft und Hortplätze gibt es kaum.

"Eltern sind also auf verständnisvolle Arbeitgeber und flexible Arbeitsmodelle angewiesen, um Job und Familie unter einen Hut zu bekommen."

Dann können sie, dank Laptop und mobilem WLAN-Hotspot auch mal im Auto arbeiten, während sie darauf warten, dass ihr Kind aus dem Sport kommt. Sie können problemlos zuhause arbeiten, auch wenn im Nachbarzimmer ein kleiner Patient liegt. Und wenn sie, weil ihr eigentlicher Kindergarten wegen Grippewelle geschlossen ist, zur Ersatzbetreuung fahren müssen, macht das dank Gleitzeitregelung auch nichts.

Schöne, neue Arbeitswelt

Jede Regelung in Bezug auf New Work ist jedoch nur so gut wie die Geschäftsführung, die sie implementiert. Die Chefetage steht also in der Pflicht, die gestiegene Flexibilität ihrer Mitarbeiter nicht auszunutzen. Denn auch wenn ein Mitarbeiter nicht im Büro ist, hat er oder sie ein Recht auf den wohlverdienten Feierabend.

Über den Autoren

Christian Friedrich

Andreas Kunz ist seit Dezember 2017 Head of Marketing & PR in Deutschland und Österreich für B2B und B2C bei Logitech. Nach seinem PR und Marketing-Studium startete er bei der Unique Concept GmbH seinen beruflichen Werdegang. Dort war er zuletzt knapp acht Jahre Geschäftsführer, bevor er in die PR- & Marketingabteilung von Logitech wechselte.