Azubi-Recruiting trotz Corona – Wie sinnvoll ist das? AZUBIYO im Interview

07.07.2020 | AZUBIYO

Azubiyo über Azubi-Recruiting
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Die Corona-Pandemie fordert Ausbildungsbetriebe vielfältig heraus: Einstellungsstopps, erschwerte Bewerbungsprozesse, erhöhter Bedarf in einigen Branche. Lohnt es sich, aktuell Azubis einzustellen und wie erreichen Sie die Bewerber? Zukunft Personal sprach mit der Ausbildungsbörse AZUBIYO.

Herr Heberlein, wie stellt sich die Situation für Ausbildungsbetriebe aktuell dar?

Niemand weiß, wann der Normalzustand einkehrt, trotzdem ist Corona ein zeitlich begrenztes Thema. Das Azubi-Recruiting jedoch gehört zur langfristigen Unternehmensstrategie. Azubis, die Sie jetzt nicht einstellen, fehlen Ihnen später als Fachkräfte. Unternehmen sind mit einem Kandidatenmarkt konfrontiert und im Zugzwang, sich als attraktiver Ausbildungsbetrieb zu positionieren. Daher lautet die Devise: Bleiben Sie präsent!

Betriebe, die aktuell nicht einstellen, Absagen versenden müssen oder deren Bewerbungsprozesse sich verzögern: Bleiben Sie mit den Kandidaten in Kontakt und bauen sich einen Talentpool auf. Legen Sie transparent dar, wie Ihr Unternehmen mit der aktuellen Lage umgeht und nutzen die Zeit, Ihre Karriereseite und Stellenanzeigen zu überarbeiten. Wofür stehen Sie? Was bieten Sie? Wofür sollen Ihre Azubis brennen? Daraus können Sie eine konkrete Erwartungshaltung entwickeln, Ihr Angebot deutlich formulieren und sprechen mehr passende Kandidaten an.

Können Sie Prozesse und Bewerbungsformulare abspecken? Machen Sie es der jungen Zielgruppe möglichst einfach, sich bei Ihnen zu bewerben. Testen Sie virtuelle Tools für digitale Bewerbungsgespräche, Probetage oder Onboarding.

Wie erreicht man jetzt die Bewerber?

Viele Schüler sind unsicher, ob die Suche nach einem Ausbildungsplatz jetzt Sinn macht oder ausgeschriebene Stellen aktuell sind. Einige haben wegen der Corona-Pandemie ihren Ausbildungsplatz wieder verloren. Nutzen Sie die Möglichkeit, Schüler darauf aufmerksam zu machen, dass Sie weiter ausbilden. Auf Ihrer Karriereseite, in Stellenanzeigen, im Social Media und auf Jobbörsen sollten Sie deutlich kennzeichnen, dass Sie aktiv auf der Suche nach Bewerbern sind – trotz Corona. Nutzen Sie alle Kontaktpunkte für diese Botschaft.

Stellen Sie heraus, wie der Bewerbungsprozess ablaufen wird, zum Beispiel per Telefon oder Video-Konferenz. Nehmen Sie den Schülern die Unsicherheit und beantworten in einem FAQ die häufigsten Fragen. Eine Telefonsprechstunde, ein Chat oder eine Fragerunde im Social Media bieten die Möglichkeit, in den Austausch zu gehen.

Worauf ist bei digitalen Bewerbungsgesprächen zu achten?

Auch im digitalen Rahmen können Sie eine gute Atmosphäre und Vertrauen schaffen. Sprechen Sie an, dass die Situation für Sie ebenfalls neu ist.

Nutzen Sie kostenlose Tools, für die Bewerber keinen Account einrichten müssen, um die Hürden so gering wie möglich zu halten. Testen Sie Programme vorab und schicken die Einladung mit genügend Vorlauf, damit sich der Bewerber um eine stabile Internetverbindung und eine ruhige Umgebung kümmern kann. Beides sollte auch auf Ihrer Seite gewährleistet sein. Sorgen Sie für gute Lichtverhältnisse und bringen die Kamera auf Augenhöhe. Achtung: Sie dürfen das Gespräch nur aufzeichnen und mit anderen Kollegen teilen, wenn Sie sich die Genehmigung des Kandidaten eingeholt haben. Sprechen Sie dazu mit Ihrem Datenschutzbeauftragten.

Können Probetage oder Schülermessen ins Digitale verlegt werden?

Schülermessen gehören häufig zum Marketingmix ihres Ausbildungs-Recruitings. Virtuelle Veranstaltungen bieten die Chance, junge Bewerber direkt zu Hause am PC, Tablet oder Smartphone zu erreichen.

Mit einem Online-Karrieretag fallen die Kosten für einen Messestand weg, ebenso Reisekosten und die nötigen Vor- und Nachbereitungszeiten für den Messebau. Während die Möglichkeiten an einem Messestand begrenzt sind, sich mit mehreren Teilnehmern gleichzeitig auszutauschen, können Sie im virtuellen Rahmen mit mehreren Schülern via Chat sprechen oder in einem Live-Webinar auf Fragen eingehen. Machen Sie Informationsmaterial und Webinar-Aufzeichnungen nach der Veranstaltung zugänglich, erhöhen Sie damit Ihre potenzielle Reichweite.

Binden Sie bei virtuellen Azubimessen und Probetagen alle Akteure mit ein, die den Teilnehmern sonst rund um Karrierethemen Rede und Antwort stehen. Das sind neben den Personal- und Ausbildungsverantwortlichen natürlich Ihre Auszubildenden. Sie sind nah dran an Ihrer Zielgruppe und berichten authentisch von ihren Erfahrungen. Bilden Sie unterschiedliche Berufe aus oder hat Ihr Unternehmen mehrere Standorte, binden Sie Ansprechpartner aus den verschiedenen Bereichen ein.

Weitere spannende Aspekte zu inhaltlichen Möglichkeiten einer digitalen Veranstaltung und wie Sie aus Teilnehmern Bewerber machen, finden Sie im AZUBIYO White Paper "Digitale Ausbildungsmesse".

Wie können Unternehmen das Onboarding digital gestalten?

Richten Sie wiederkehrende Gespräche per Telefon oder Video-Chat ein, wenn diese nicht im Betrieb starten können. Klären Sie mit den Jugendlichen, wie gut sie zu Hause mit Internet und Technik ausgerüstet sind und stellen Sie Laptops, Bildschirme, Headsets, etc. zur Verfügung.

Abteilungsvorstellungen und Einführungstermine lassen sich per Video abbilden. Ein gemeinsames Mittagessen oder Kaffeetrinken per Video kann Spaß machen und Kontakt zu den neuen Kollegen aufbauen.

Ausbildungsleiter und Fachabteilungen sollten eng zusammenarbeiten und klären, welche Tätigkeiten Azubis im Betrieb machen können, eventuell aus anderen Abteilungen, und was von zu Hause aus machbar ist. Überlegen Sie alternativ, welche Weiterbildungsmöglichkeiten Ihr Azubi online nutzen kann, so lange eine reguläre Tätigkeit nicht möglich ist.

Azubis und duale Studenten, die im Herbst starten, sind ebenfalls verunsichert, ob alles wie vereinbart ablaufen wird. Senden Sie einen regelmäßigen Azubi-Newsletter mit den wichtigsten Informationen und Ansprechpartnern, oder machen Sie einen Video-Call, um auf Fragen einzugehen. Nutzen Sie Preboarding-Maßnahmen, um bis zum Ausbildungsstart in Kontakt zu bleiben.

Vielen Dank für das Gespräch!

Über Tobias Heberlein

Tobias Heberlein

Tobias Heberlein ist Geschäftsführer der AZUBIYO GmbH. Die Online-Jobbörse bringt über ein wissenschaftlich fundiertes Matching-Verfahren Schüler mit passenden Arbeitgebern, Ausbildungsplätzen und Dualen Studienplätzen zusammen. Neben dem Stellenmarkt informiert das Portal zu Jobprofilen, Berufswahl und Bewerbung. Darüber hinaus nutzen 6.500 Schulen die kostenlosen AZUBIYO Arbeitshefte zur Berufsorientierung. Seit 2015 gehört das Unternehmen zur FUNKE MEDIENGRUPPE.

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