Healthy Meetings: Vom Buzzword zum bahnbrechenden Erlebnis

Raphael Werder | 05.11.2026

Quelle: EXZELLENTE LERNORTE

Tagungs- und Seminarplaner haben es wirklich nicht einfach! Um eine in den Augen aller Beteiligten gelungene Meeting- oder Weiterbildungsveranstaltung zu organisieren, gilt es verschiedenste Anforderungen zu erfüllen: Neben der oft schwierigen Terminfindung und der Suche nach einem geeigneten Austragungsort wäre da noch die Berücksichtigung diverser Wünsche der Personalabteilung, der Vorgesetzten, des Seminarleiters und manchmal auch der Teilnehmenden bezüglich der zu vermittelnden Inhalte, der genauen Tagesordnung, der Essensauswahl und der Buchung von Rahmenprogrammen. Bei der Hotelauswahl wird oft gute Erreichbarkeit gefordert. Eine ruhige Lage wäre dennoch wichtig – schließlich möchte man sich ungestört auf die Inhalte konzentrieren können. Eine gute Küche sei „Pflicht“. Und der Seminarleiter hat eine anspruchsvolle Liste mit Präsentationstechnik und Materialien durchgeschickt, die im Tagungsraum vorhanden sein müssen. Seit einiger Zeit schon gilt intern die Vorgabe, dass nur noch Hotels mit CO2-Nachweis in Betracht gezogen werden dürfen… und jetzt heißt es auch noch, man solle mehr auf die Gesundheit der Teilnehmenden achten – die Vorstandsebene hätte eine neue Devise ausgerufen: „Wir machen ab sofort Healthy Meetings“.

Healthy Meetings – was bedeutet das überhaupt? „Ich denke, Fitnessstudio und Sauna wären ein guter Anfang…“ – aha! – „…vielleicht ein veganes Menü…“ – na, da steigt einem der Chef aber aufs Dach! – „…und zwischendurch Waldbaden wäre doch nett!“ – der Trainer hat schon angemerkt, dass das sein Zeitplan überhaupt nicht zulasse und dass er das Tempo dann noch mehr anziehen müsse. „Das bringt doch nur zusätzlichen Stress, so ein Entspannungsprogramm“, sagte er wortwörtlich. Also warum das Ganze? Unmöglich, es allen recht zu machen! Vielleicht doch alles wie immer? War das denn so schlimm bisher? Es hat sich noch niemand so richtig beschwert… auch ohne die bewusste Berücksichtigung der Teilnehmergesundheit.

Healthy Meetings – der neue Trend?

Nicht ohne Grund rückt das Wohlbefinden der Mitarbeitenden in den Fokus der Unternehmen – im Arbeitsalltag, aber auch bei Offsite-Veranstaltungen. Ein Anstieg in der Krankheitsstatistik, die Corona-Zeit und das Aufkommen der New-Work-Philosophie sowie der Fachkräftemangel und seine Auswirkungen auf die Arbeitsmarktsituation haben ein Umdenken verursacht. Dass das Wohlbefinden der Mitarbeitenden im Fokus liegt, ist keineswegs Mildtätigkeit und Rücksichtnahme auf neue Lifestyle-Fantasien, sondern vor allem darauf zurückzuführen, dass von deren Leistungsfähigkeit und überhaupt von deren Verbleib der Unternehmenserfolg abhängt. Neben dem Gesundheitsaspekt ist auch eine motivationale Komponente wichtiger geworden: Menschen gehen vermehrt nicht mehr nur arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen – eine sinnstiftende Tätigkeit zu verrichten und auch die bewusste Zusammenarbeit als Team spielen nicht nur bei der jüngeren Generation eine gewichtige Rolle.

Fakt ist aber auch: die Idee von Healthy Meetings ist nicht neu. 2021 hat beispielsweise die WHO ein Dokument namens „A guide to planning healthy meetings” veröffentlicht und darin proklamiert, dass Zusammenkünfte, die mit Blick auf die Gesundheit der Teilnehmenden geplant werden, viele Vorteile mit sich bringen. Sie würden nicht nur die Leistungsfähigkeit der Teilnehmenden vor Ort steigern und damit die Ergebnisse der Meetings oder Schulungen verbessern, sondern sie würden auch das Potenzial bergen, einen bewussteren Umgang mit Gesundheitsthemen über das Meeting hinaus anzustoßen. Somit trügen sie maßgeblich dazu bei, gesundheitsfördernde Praktiken am Arbeitsplatz zu verankern. Neben Gesundheitsthemen, so das WHO-Dokument weiter, gelte das auch für Nachhaltigkeitsaspekte, zum Beispiel die Auswahl einer nachhaltigeren Ernährung oder die Minimierung von Plastik und Lebensmittelabfällen.

Teilnehmergesundheit ganzheitlich denken

Auch neuere Studien rücken das Wohlbefinden bei Meetings, bei Tagungen oder bei Hotelaufenthalten im Allgemeinen in den Mittelpunkt. Beispielsweise die der EHL Hospitality Business School in Lausanne (Schweiz). Die Untersuchung „Psychological Well-being in Hospitality Report 2026” analysiert, wie die internationale Hotellerie mit dem Thema psychisches Wohlbefinden von Gästen und Mitarbeitern umgeht. Als wichtigste Erkenntnis nennt der Bericht, dass auf das Wohlbefinden ein ganzheitlicher Blick geworfen werden müsse – und sich das Thema nicht, wie oft gängige Praxis, auf einzelne Angebote wie Fitnessräume, Wellnessbereiche oder Gesundheitsprogramme reduzieren ließe. Vielmehr wirkten körperliche, psychische, emotionale und auch soziale Faktoren zusammen. Vor allem der psychischen Gesundheit müsse mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden, weil diese eng mit Leistungsfähigkeit, Stressbewältigung und sozialer Interaktion verbunden sei. Als eine bedeutende Entwicklung beschreibt der Bericht eine Re-Humanisierung der Gastlichkeit. In einer Zeit zunehmender Digitalisierung könne vor allem die Hotellerie Räume schaffen, in denen menschliche Begegnungen wieder stärker in den Mittelpunkt rücken. Eine weitere Entwicklung ist interessant: Nach Darstellung der Autoren suchten Hotelgäste nicht mehr „nur“ Komfort, Entspannung und Genuss, sondern auch Erfahrungen, die persönliches Wachstum und neue Perspektiven ermöglichen. Bucher und Personalentwickler sollten dies bei der Veranstaltungsplanung berücksichtigen und sowohl das kurzfristige Wohlbefinden als auch den Wunsch nach nachhaltig wirksamen Effekten ansprechen.

So werden Offsites zur Initialzündung

Eine der Aufgaben liegt nun darin, Gesundheit und Nachhaltigkeit auf ungezwungene Weise in Veranstaltungen zu integrieren. Denn ein bestehendes Format nehmen, Zucker am Morgen und Fleisch zum Mittag streichen, anschließend eine Yogaeinheit und abends einen Vortrag über Gesundheit am Arbeitsplatz ansetzen – das riecht nach Aktionismus, das wird nicht funktionieren. Es gilt vielmehr, Healthy-Meeting-Aspekte programmatisch sinnvoll, am besten spielerisch in den Aufenthalt zu integrieren, um so aus guten Vorsätzen ein prägendes Erlebnis zu machen. Und es ist wichtig, diesen Erlebnissen Raum und Zeit zu geben, also dafür auch mal Programmpunkte der Wissensvermittlung aus der Tagesordnung rauszunehmen und ins Vorfeld der Veranstaltung zu verlagern. Lernpsychologisch ist schließlich bewiesen, dass solche Blended-Learning-Methoden Wissen effektiver und nachhaltiger vermitteln, was auch den Vor-Ort-Treffen zugutekommt, weil die Schwerpunkte auf Anwendungsfälle und Übungen sowie Problemlösungen gelegt werden können.

EXZELLENTE LERNORTE – die Mitgliedshäuser Deutschlands innovativster Tagungshotel-Kooperation – sind Experten auf dem Gebiet ganzheitlicher Veranstaltungskonzepte und können dank ihrer hervorragenden Infrastruktur und Ausstattung, ihrem großzügigen Raumangebot indoor wie outdoor sowie der individuellen Betreuung maßgeschneiderte Konzepte anbieten, die auch Sie einmal ausprobieren sollten. Einige Beispiele, wie Healthy Meetings zum wirksamen Erlebnis und zur Initialzündung für den Wandel hin zu gesünderen Arbeitsweisen in Unternehmen werden können, stellen wir im Leitartikel der LERNRAUM-Ausgabe 2026/2027 vor, kostenfrei abrufbar unter:

 https://www.exzellente-lernorte.de/assets/magazin/Lernraum_Ausgabe_2026_2027/magazin.pdf

Über den Autor

Rahpael Werder

Der Artikel wurde stellvertretend für die Exzellenten Lernorte geschrieben von Raphael Werder, Chefredakteur des Magazins LERNRAUM. Zur Kooperation der Exzellenten Lernorte gehören derzeit 23 hochklassige Tagungshotels in Deutschland und Österreich. Informationen zu den Mitgliedshäusern, dem ELO-Leistungsversprechen und weiteren Projekten unter www.exzellente-lernorte.de.