Heart & Hustle! Von Werten zu echter Teamperformance (Teil 1)

Barbara Kolocek | 30.04.2026

Quelle: Zukunft Personal

Viele Unternehmen verfügen zwar über festgelegte Werte, doch häufig bleiben diese oberflächlich oder werden nicht aktiv reflektiert. Werte lassen sich jedoch nicht verordnen, sie zeigen sich im gelebten Verhalten und entfalten ihre Wirkung meist unbewusst. Umso wichtiger ist es, dass Teams sich aktiv mit ihnen auseinandersetzen: Welche Werte prägen uns tatsächlich, welche streben wir an, und welche erzählen wir vielleicht nur nach außen?

Ein erster Schritt zur Klärung ist die Unterscheidung in drei Arten von Werten:

  • Gelebte Werte: im Alltag spürbar und durch Verhalten sichtbar.
  • Aspirative Werte: wünschenswerte Ideale, die noch nicht konsequent gelebt werden.
  • Werbe-Werte: außenwirksam formuliert, aber intern nicht verankert.

Diese Reflexion hilft, die Lücke zwischen Selbstbild und Realität zu erkennen.

Gleichzeitig lohnt sich ein zweiter Blick, diesmal auf die Wirkungsebene der Werte. In der strategischen Positionierung werden Werte nicht nur bewertet, sondern bewusst platziert:

  • Funktionale Werte (das WAS) zeigen, was wir anbieten und worin unsere Leistung besteht.
  • Stärkenbasierte Werte (das WIE) spiegeln wider, wie wir arbeiten und was uns dabei wichtig ist.
  • Emotionale Werte (das WARUM) transportieren Haltung, Vision und das, wofür wir stehen.

Beide Kategorien - Wertetypen und Wirkungsebenen - ergänzen sich und geben Orientierung: nach innen zur Selbstverortung und nach außen für eine glaubwürdige Kommunikation.

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Quelle: Buch "Werte wirken"

Werte reflektieren – am Beispiel Eigenverantwortung

Einzelne Reflexionsfragen helfen Teams für eine tiefere Auseinandersetzung. 

Welche Werte sind aktuell in unserem Team sichtbar, und welche möchten wir bewusster fördern? → Ist Eigenverantwortung im Alltag spürbar? Trifft jede:r proaktiv Entscheidungen im eigenen Wirkungsbereich, oder wird auf Anweisungen gewartet?

Wie äußert sich der Wert im konkreten Verhalten? → Teammitglieder übernehmen Aufgaben selbstständig, treffen Entscheidungen innerhalb ihres Verantwortungsbereichs und holen sich aktiv Unterstützung, wenn sie nicht weiterkommen.

Gibt es Verhaltensweisen, die diesem Wert widersprechen? → Wenn Aufgaben regelmäßig „nach oben“ delegiert werden, Verantwortung gescheut oder Fehler grundsätzlich anderen zugeschoben werden, steht das im Gegensatz zu gelebter Eigenverantwortung.

In welchen kritischen Situationen ist dieser Wert besonders gefragt? → In Zeiten hoher Arbeitsbelastung oder bei Remote-Arbeit ist Eigenverantwortung essenziell, da jede:r für Selbstorganisation und Priorisierung mitverantwortlich ist.

Welche formellen oder informellen Regeln sollten überdacht oder verändert werden, um diesen Wert zu stärken? → Könnte eine starke Kontrolle durch Führungskräfte (z. B. durch Mikromanagement) die Eigenverantwortung behindern? Wo könnten Entscheidungsspielräume bewusst vergrößert werden?

Quelle: Canva

Teamperformance beginnt mit klaren Werten

Weitere Beispiele aus dem Alltag:

Ein Unternehmen gibt an, dass „Agilität“ ein zentraler Wert ist. Doch in der Praxis müssen Entscheidungen durch zahlreiche Hierarchieebenen genehmigt werden. Ein Team, das diesen Wert wirklich lebt, würde schnellere Entscheidungswege implementieren und flexible Prozesse gestalten. Ohne diese Anpassung bleibt der Wert nur eine leere Phrase. 

Ein Vertriebsteam setzt „Kundenzentrierung“ als einen der wichtigsten Werte. Doch in Meetings wird kaum über Kundenbedürfnisse gesprochen. Eine echte Umsetzung könnte beinhalten, dass regelmäßig Kundenfeedback aktiv eingeholt und bei Entscheidungsprozessen berücksichtigt wird.

Durch diese klaren Praxisbeispiele wird deutlich, wie entscheidend es ist, Werte nicht nur zu benennen. Werte schaffen eine gemeinsame Basis für Vertrauen, Motivation und Eigenverantwortung. Teams mit klaren Werten können effizienter kommunizieren, Konflikte konstruktiver lösen und schneller auf Herausforderungen reagieren.

Fazit

Werte aufzudecken benötigt einen intuitiven Prozess

Die rein kognitive Auseinandersetzung mit Werten verstärkt eher das Wunschdenken und nicht eine tiefe emotional-kritische Reflexion über die eigene Wertehaltung.

Werte stabilisieren sich unbewusst, färben unser Verhalten ein, ohne dass wir uns den eigenen Werten unbedingt bewusst sein müssen. Um Werte herauszufinden, braucht es daher emotionale oder intuitive „Umwegmethoden.“

Die Auseinandersetzung mit Werten ist ein kontinuierlicher Prozess. Werte sollten regelmäßig reflektiert und an die aktuelle Team- und Unternehmenssituation angepasst werden. Ein bewusster Umgang mit Werten stärkt die Unternehmenskultur, erhöht die Zufriedenheit der Mitarbeitenden und sorgt für eine authentische Außendarstellung.

Praktische Umsetzung – Eine Checkliste für den Werteprozess 

  1. Status-quo-Analyse durchführen Mache eine Bestandsaufnahme der aktuell wahrgenommenen Werte im Unternehmen und hole Feedback von allen Mitarbeitenden ein.
  2. Verhalten beobachten und reflektieren Analysiere kontinuierlich das Verhalten im Unternehmen und leite daraus die tatsächlich gelebten Werte ab. Werte zeigen sich im Handeln, nicht nur in Leitbildern.
  3. Erkennen, dass Werte nicht eingeführt, sondern entdeckt werden Werte können nicht einfach verordnet werden, sie sind immer schon da. Die Aufgabe besteht darin, sie sichtbar zu machen und bewusst zu leben.
  4. Echte Werte von Wunschwerten unterscheiden Konzentriere dich darauf, was bereits existiert, anstatt Wunschwerte zu propagieren. Weniger ist mehr, ein Fokus auf das Reale macht Werte authentisch und wirkungsvoll.
  5. Werte regelmäßig mit Praxisbeispielen verknüpfen Veranschauliche, wie Werte im Alltag konkret gelebt werden, indem du reale Beispiele aus dem Unternehmen nutzt.
  6. Werte-Workshops im Team durchführen Fördere den Austausch über Werte, indem du gezielt Workshops organisierst, in denen Mitarbeitende über ihre Erfahrungen und Perspektiven sprechen können.
  7. Werte als Entscheidungsgrundlage nutzen Werte sollten als Leitplanken für Unternehmensentscheidungen dienen. Sie müssen in Strategien, Strukturen und Prozessen aktiv berücksichtigt werden.

Über die Autorin

Barbara Kolocek

Barbara Kolocek befasst sich seit über zehn Jahren mit den Zukunftsfragen rund um den Wandel der Arbeitswelt. Nach Stationen beim Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW), Axel Springer und zuletzt in einem Start-up hat sie sich selbständig gemacht. Seither unterstützt sie Unternehmen mit Trainings, die auf Teamentwicklung, den Aufbau einer vertrauensvollen Kommunikationskultur und die Weiterentwicklung von Führungskompetenzen ausgerichtet sind. Neben ihrer Arbeit mit Unternehmen ist sie regelmäßig als Moderatorin auf HR-Veranstaltungen im Einsatz und engagiert sich in Forschung und Lehre. Sie ist Co-Herausgeberin des beim Springer Gabler Verlag erschienenen Buches „Arbeitswelt der Zukunft“ und lehrt an der SRH in Nordrhein-Westfalen sowie an der Hochschule Fresenius in Berlin im Bereich der Arbeits- und Organisationspsychologie.