TEAM HUMAN x AI – Wie ich heute arbeite und warum Human-zentrierte KI eine Führungsfrage ist
Prof. Dr. Anabel Ternès von Hattburg | 12.02.2026
Ich arbeite heute ganz selbstverständlich im TEAM HUMAN x AI – nicht aus technischer Begeisterung, sondern aus Verantwortung. Als Zukunftsforscherin, Unternehmerin, Professorin und Vizepräsidentin des Bundesverbands Künstliche Intelligenz sehe ich täglich, wie tiefgreifend KI unsere Arbeitswelt, unsere Entscheidungen und unsere Selbstwahrnehmung verändert. Die entscheidende Frage ist dabei nicht, ob wir KI einsetzen, sondern wie – und mit welchem Menschenbild.
Für mich ist KI kein Ersatz für menschliche Kompetenz, sondern ein Verstärker: für Klarheit, für Zeitgewinn, für bessere Entscheidungen – aber nur dann, wenn sie konsequent human-zentriert gestaltet und geführt wird.
Wie KI meine Rolle verändert hat
In meiner Arbeit – ob in Forschung, Lehre, Unternehmensführung oder Gremien – nutze ich KI heute als strategische Co-Pilotin. Sie unterstützt mich bei Analyse, Strukturierung, Szenarienentwicklung, Wissensverdichtung und Kommunikation. Das bedeutet konkret: Ich gewinne Zeit. Zeit für das, was nur Menschen können: Kontext verstehen, Verantwortung tragen, Sinn stiften, Beziehungen gestalten.
KI hilft mir, schneller Muster zu erkennen, Optionen zu bewerten und informierte Entscheidungen vorzubereiten. Die Entscheidung selbst bleibt jedoch bewusst menschlich. Gerade in Führungsrollen ist das zentral: Verantwortung lässt sich nicht delegieren – auch nicht an Algorithmen.
Für mein Team bedeutet diese Zusammenarbeit eine Entlastung von repetitiven Aufgaben, eine höhere Transparenz in Prozessen und neue Formen der Kollaboration. Wir arbeiten iterativer, reflektierter und interdisziplinärer. KI wird bei uns nicht „oben drauf gesetzt“, sondern ist integriert – in klar definierten Use Cases, mit klaren Leitplanken.
Human-zentrierte KI: Mehr als ein Buzzword
Human-zentrierte KI bedeutet für mich drei Dinge:
- Bessere Entscheidungen, nicht schnellere. KI kann Daten verarbeiten, Wahrscheinlichkeiten berechnen, Szenarien simulieren. Aber sie versteht keine Werte. Deshalb braucht es Führungspersönlichkeiten, die KI-Ergebnisse einordnen, hinterfragen und verantwortungsvoll nutzen.
- Entlastung statt Überforderung. Richtig eingesetzt, reduziert KI kognitive Last, Stress und Zeitdruck. Falsch eingesetzt, erhöht sie Kontrolle, Taktung und Entfremdung. Human-zentrierte KI fragt immer: Was macht das mit den Menschen, die damit arbeiten?
- Neue Formen der Zusammenarbeit. KI verändert Rollenprofile, Kompetenzanforderungen und Machtverhältnisse. Sie kann Hierarchien flacher machen – oder Abhängigkeiten verstärken. Deshalb braucht es Mitgestaltung, Qualifizierung und Transparenz.
Mein konkreter Use Case – insbesondere im HR-Kontext
Ein zentraler Anwendungsbereich meiner Arbeit liegt im HR- und Leadership-Kontext. Hier setze ich KI unter anderem ein für:
- Kompetenz- und Potenzialanalysen, die nicht bewerten, sondern Entwicklungsräume sichtbar machen
- Unterstützung bei Learning-Designs, individuellen Weiterbildungswegen und Future-Skills-Profilen
- Analyse von Organisationsmustern, Kulturindikatoren und Feedback-Strukturen
- Vorbereitung von Entscheidungen in Gremien und Vorständen
Wichtig ist mir dabei: KI liefert Impulse, keine Urteile. Sie hilft, blinde Flecken zu erkennen, aber sie darf niemals Menschen reduzieren oder kategorisieren. Gerade im HR-Bereich ist die Gefahr groß, Bias zu reproduzieren oder Komplexität zu vereinfachen. Deshalb arbeiten wir mit klaren ethischen Prinzipien, interdisziplinären Teams und kontinuierlicher Reflexion.
Learnings – und auch Zweifel
Meine wichtigsten Learnings aus der Arbeit mit KI sind:
- Technologie ist nie neutral. Sie spiegelt die Werte derer, die sie entwickeln und einsetzen.
- Ohne Governance, Ethik und Bildung wird KI zur Machtfrage.
- Führung entscheidet darüber, ob KI befähigt oder entmündigt.
Gleichzeitig habe ich Zweifel. Zweifel daran, ob wir als Gesellschaft schnell genug lernen, Verantwortung zu übernehmen. Zweifel daran, ob wirtschaftlicher Druck nicht zu oft über ethische Fragen gestellt wird. Und Zweifel daran, ob wir ausreichend in menschliche Kompetenzen investieren – in Urteilskraft, Empathie, Selbstführung.
Denn je leistungsfähiger KI wird, desto wichtiger werden genau diese Fähigkeiten.
Erwartungen an eine human-zentrierte KI-Zukunft in HR
Ich erwarte – und fordere – eine KI-Zukunft, in der HR eine gestaltende Rolle übernimmt. HR darf nicht nur Anwenderin von Tools sein, sondern muss Mitarchitektin von Systemen werden.
Das bedeutet:
- klare ethische Leitlinien
- Transparenz über Daten, Modelle und Entscheidungen
- Beteiligung der Mitarbeitenden
- kontinuierliche Qualifizierung
- und eine Führungskultur, die Menschlichkeit nicht als „Soft Skill“, sondern als strategische Kompetenz versteht
Human-zentrierte KI ist kein IT-Projekt. Sie ist ein Kulturprojekt.
Was konkret vor Ort an meinem Stand passiert
An meinem Stand geht es deshalb nicht um Technologie-Showcases, sondern um Dialog, Reflexion und konkrete Praxis. Ich zeige reale Use Cases, diskutiere Dilemmata, teile Erfahrungen – und lade zum Mitdenken ein.
Besucher:innen erleben, wie KI Entscheidungsprozesse unterstützen kann, ohne sie zu ersetzen. Wir sprechen über Verantwortung, über Grenzen, über Fehler. Und über die große Chance, Arbeit menschlicher zu gestalten – gerade durch Technologie.
Denn die Zukunft der Arbeit entscheidet sich nicht im Code, sondern im Mindset.
Fazit
TEAM HUMAN x AI ist für mich kein Experiment, sondern eine bewusste Haltung. KI kann uns helfen, bessere Organisationen zu bauen, gesündere Arbeitswelten zu schaffen und nachhaltiger zu wirtschaften. Aber nur, wenn wir den Menschen ins Zentrum stellen – nicht als Ressource, sondern als Maßstab.
Die wichtigste Kompetenz der Zukunft ist nicht Programmieren.
Es ist Verantwortung.
Und genau dafür stehe ich – in meiner Arbeit, in meinen Rollen und in der Art, wie ich KI nutze.
Über die Autorin
Prof. Dr. Anabel Ternès von Hattburg
ist Zukunftsforscherin, Psychologin, Unternehmerin und eine der profiliertesten Stimmen für Impact, KI und Future Health Leadership in Europa. Sie ist CEO von Sustain Plus und Lavivee, Gründerin von VYBE Future Agency, Nadure Lab und We Empower. Als VP im Bundesverband Künstliche Intelligenz, TEDx Speakerin, Stanford-Absolventin und LinkedIn Top Voice Sustainability spricht sie auf internationalen Großveranstaltungen, vor Unternehmen und Regierungen. Sie ist Mitglied in Think Tanks, darunter Club of Rome, Atlantik-Brücke, UN Women, Club of Budapest Präsidentin und Friends of Social Business (Muhammad Yunus) Vorständin, dazu Mitglied in Stiftungs- und Aufsichtsräten.