KI im Personalwesen: Zwischen Hype und echter HR-Power
28.08.2025 | Oliver Rozić

KI im Personalwesen: Zwischen Hype und echter HR-Power
Künstliche Intelligenz wird als Game-Changer im HR gefeiert – doch was kann die Technologie wirklich? Wir räumen mit Mythen auf und zeigen, wo KI Ihre Personalarbeit tatsächlich effizienter und objektiver macht.
„KI ersetzt den Menschen", „KI macht die neue Welt“ – die Schlagzeilen übertreffen sich immer mehr, ich habe neulich sogar „KI lebt“ gelesen. Wenn man die Medienberichterstattung verfolgt, könnte man meinen, KI kann wirklich alles – von Beethovens unvollendeter Sinfonie bis zur Kindererziehung. Doch zwischen Marketing-Versprechen und Arbeitsrealität klafft oft eine große Lücke.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Während 77% der HR-Leader in KI das Potenzial zur Revolutionierung ihrer Arbeitsweise sehen, nutzen aktuell nur 25% der Erwerbstätigen KI beruflich (laut Microsoft Work Trend Index). Und davon setzen wiederum nur 10% KI regelmäßig ein. Das Problem? Die meisten wissen schlicht nicht, wie sie KI praktisch einsetzen können – abseits von ChatGPT für Textgenerierung.
Das Kernproblem: KI ohne Unternehmensdaten ist nutzlos
Das Hauptproblem liegt auf der Hand: Was nützt die beste KI, wenn sie nicht meine Produkte kennt, meine Logistik, meine Mitarbeiter? Dann kann sie die einfachste Frage nicht beantworten – wann wird meine Ware geliefert, wer ist für welches Projekt verantwortlich, wann ist die nächste Gehaltsabrechnung fällig.
Der Schlüssel liegt in der Integration von KI mit Unternehmensdaten und -prozessen. Nur so kann KI ihre wahren Stärken ausspielen.
1. Proaktives Aufgabenmanagement: KI als intelligenter Assistent
Stellen Sie sich vor, Ihr HR-System warnt Sie proaktiv: „In drei Tagen ist die nächste Gehaltsabrechnung fällig, aber Vorsicht – es gibt Mitarbeiter, die ihre Arbeitszeit noch nicht erfasst haben." Genau das leistet moderne HR-KI bereits heute.
Was funktioniert: Die KI überwacht kontinuierlich alle HR-Prozesse und schlägt proaktiv Alarm, wenn Deadlines drohen oder Aufgaben liegenbleiben. Sie identifiziert automatisch, welche Manager kontaktiert werden müssen, generiert passende E-Mail-Texte und versendet Erinnerungen – alles ohne manuellen Eingriff.
Der Nutzen: In der Praxis bedeutet das: Ich muss nicht mehr in die Anwendung rein, die KI übernimmt alle diese administrativen Aufgaben. Das spart nicht nur Zeit, sondern reduziert auch das Risiko menschlicher Fehler erheblich.
2. Intelligente Anomalie-Erkennung: Fehler vermeiden statt korrigieren
KI glänzt in der Mustererkennung – und damit auch beim Aufspüren von Ausreißern. In der Lohnabrechnung bedeutet das konkret: Wenn ein Mitarbeiter plötzlich deutlich mehr Überstunden einreicht als üblich, schlägt das System Alarm.
Was funktioniert: Die KI analysiert historische Daten und erkennt Abweichungen vom normalen Muster. Sie zeigt Details auf Knopfdruck: War es der Valentinstag und der Blumenladen-Mitarbeiter musste länger arbeiten? Oder gibt es einen Eingabefehler?
Praktischer Nutzen: Diese kontinuierliche Überwachung im Hintergrund minimiert menschliche Fehler und verhindert kostspielige Korrekturen in der Nachbearbeitung.
3. Automatisierte Dokumentenerstellung: Von Arbeitszeugnissen bis Stellenausschreibungen
Die HR-Abteilung leidet extrem unter Verwaltungsaufwand – ein perfektes Einsatzfeld für KI. Die Erstellung standardisierter Dokumente lässt sich nahezu vollständig automatisieren.
Was möglich ist: KI generiert automatisch Gehaltsbriefe, Bewerbungsanschreiben, Stellenausschreibungen oder Arbeitszeugnisse. Da alle Mitarbeiterdaten im System verfügbar sind, werden diese direkt personalisiert eingefügt.
Ein Praxisbeispiel: Das System erkennt Änderungen bei Sozialversicherungsbeiträgen und fragt automatisch: „Möchtest du diese Information direkt auf den Lohnschein drucken?" Es erstellt sogar einen passenden Textvorschlag, den Sie nach Ihren Wünschen anpassen können.
4. Recruiting-Revolution: Vorqualifizierung und Bewerberkommunikation
Die Personalbeschaffung profitiert besonders stark von KI-Unterstützung, allerdings mit wichtigen Einschränkungen.
Was funktioniert: Automatisierte Beantwortung häufiger Bewerberfragen, Vorqualifizierung anhand definierter Kriterien und strukturierte Bewertung von Lebensläufen. KI kann binnen Sekunden hunderte Bewerbungen nach relevanten Qualifikationen durchsuchen.
Wichtiger Hinweis: Eine KI kann voreingenommen sein, je nachdem wie das Modell trainiert ist. Das müssen wir im Hinterkopf behalten. Bias wird nicht automatisch eliminiert, sondern kann sogar verstärkt werden. Finale Entscheidungen müssen daher immer beim Menschen bleiben.
5. Nahtloser Onboarding-Prozess
Das Mitarbeiter-Onboarding folgt klaren, strukturierten Prozessen – ideal für KI-Automatisierung.
Was automatisiert werden kann: Erstellung von Onboarding-Checklisten, Terminplanung für Einführungsgespräche, automatische Bereitstellung relevanter Dokumente und Schulungsmaterialien sowie Follow-up-Kommunikation während der Einarbeitungsphase.
6. Vereinfachung komplexer HR-Systeme
Ein revolutionärer Aspekt: KI wird die Art, wie wir mit HR-Software arbeiten, fundamental verändern. Statt komplexer Benutzeroberflächen mit tausenden Funktionen werden einfache, dialogbasierte Interfaces dominieren.
Meine Prognose: Die Oberfläche, so wie wir sie aus den letzten 10, 20 Jahren von HR-Anwendungen kennen, wird komplett durch KI abgelöst. Wir werden ganz einfache, triviale Oberflächen haben, oder die KI tritt mit uns in Dialog und sagt nur: Das muss gemacht werden – sagen Sie ja oder nein.
Die Realität: Wo KI an Grenzen stößt
Trotz aller Fortschritte hat KI klare Limitationen – und es ist ebenso wichtig diese zu kennen, wie ihre Stärken.
- Kulturelle Passung: KI kann nicht bewerten, ob die „Chemie" zwischen Bewerber und Unternehmen stimmt
- Emotionale Intelligenz: Komplexe Beratungsgespräche oder Konfliktlösungen bleiben menschliche Domänen
- Strategische Entscheidungen: Langfristige Personalplanung erfordert nach wie vor menschliche Erfahrung und Intuition
Fazit: KI als Effizienz-Booster, nicht als Ersatz
KI im HR ist kein Allheilmittel, aber ein mächtiges Werkzeug für mehr Effizienz. Der größte Nutzen liegt in der Automatisierung wiederkehrender Aufgaben und der proaktiven Unterstützung bei Routineprozessen.
Die Botschaft ist klar: Das Leben wird einfacher – wenn KI an den richten Stellen wirken darf. KI übernimmt die zeitraubende Administration, damit sich HR-Teams auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können – Menschen entwickeln, Talente fördern und eine positive Arbeitskultur schaffen.
Meine Tipps für ihre nächsten Schritte:
- Evaluieren Sie integrierte Lösungen statt isolierter KI-Tools ohne Datenzugriff
- Starten Sie mit Aufgabenmanagement – hier ist der ROI am schnellsten sichtbar
- Nutzen Sie Anomalie-Erkennung zur Fehlervermeidung in der Lohnabrechnung
- Automatisieren Sie Standarddokumente, aber behalten Sie die Qualitätskontrolle
- Investieren Sie in Mitarbeiterschulungen – der EU AI Act macht KI-Kompetenz zur Pflicht
So wird aus dem KI-Hype echte HR-Power – und Sie gewinnen Zeit für das, was wirklich zählt: Ihre Mitarbeiter.
Wie Sie aktuelle Herausforderungen in der HR meistern, erfahren Sie live auf der Zukunft Personal
Besuchen Sie uns am Stand G.11 in Halle 4.2.
Wir freuen uns!
Mehr erfahren unter:
https://www.sage.com/de-de/cp/zukunft-personal
Über den Autor

Oliver Rozić
ist Vice President Product Engineering bei Sage und verantwortet die Produktstrategie und Weiterentwicklung des Produktportfolios in der Region Central Europe. Als Vordenker und Impulsgeber teilt er regelmäßig seine Perspektiven auf aktuelle Trends in den Bereichen Cloud, Digitalisierung und KI – über Fachartikel, Blogs und Vorträge auf Konferenzen.