Wie du wirst, was morgen zählt!
Ali Mahlodji | 26.02.2026
Zurück auf Los
Einer meiner Neuanfänge war 2008. Ich war damals ein erfolgreicher Manager bei einem der heißesten Tech-Konzerne, mein Leben schien perfekt – dann überrollte uns die Finanzkrise. Im Konzern ging die Angst um, Kollegen wurden entlassen, jeder kämpfte für sich allein, Rücksichtslosigkeit war gang und gäbe. Für mich, der sich vom stotternden Schulabbrecher hochgearbeitet hatte und als jemand galt, der es „geschafft“ hatte, wurde der Druck irgendwann zu groß: Ich brach darunter zusammen, erlitt einen Burnout.
Im Rückblick war das einer der wichtigsten Momente in meinem Leben. Ich erkannte, dass ich nur eine Rolle gespielt hatte, ich war ein souveräner Berater, aber ich konnte mir selbst nicht helfen. Der Bruch erlaubte mir, neu anzufangen: ich begann zurückzugeben, wurde Lehrer, arbeitete mit Jugendlichen zusammen, wurde StartUp Founder und gründete mein eigenes Unternehmen, welches heute Entscheider:innen und Jugendlichen dabei hilft, Zukunft bewusst zu gestalten. Statt zu tun, was von mir erwartet wurde, dachte ich darüber nach, was ich eigentlich selbst wollte – die Ideen sprudelten plötzlich und ich begann endlich nach meinen eigenen Werten zu leben. Seit diesem Moment hat sich mein Umgang mit Krisen völlig gewandelt; ich begreife sie als Chancen, mein Leben von Grund auf zu hinterfragen und zu verbessern.
Die alten Regeln gelten nicht mehr
Uns allen stehen heute Zeiten des Umbruchs bevor. Für jeden von uns wird es anders aussehen, aber unser Verhältnis zur Arbeit wird sich grundlegend verändern.
Ein junger Mensch, der vor der Berufswahl steht, muss sich fragen, ob der Traumjob nicht womöglich schon bald automatisierbar sein wird. So ist es im IT-Bereich geschehen. Jahrelang galt ein Informatikstudium als Garantie für einen sicheren und gut bezahlten Job. Heute gibt es kaum Einstiegspositionen in diesem Bereich.
Auch alte Hasen, die schon jahrzehntelang in ihrem Beruf arbeiten, die Workflows wie ihre Westentasche kennen, müssen erleben, wie das Gewohnte wegbricht. Vielleicht wird der eigene Bereich umstrukturiert. Plötzlich fühlt sich der selbstsichere Routinier abgehängt, muss junge Menschen führen, die die technischen Abläufe besser kennen als er.
Die Reaktionen auf Veränderung können vielfältig sein. Evolutionär sind wir darauf programmiert, den Blick auf die Gefahr zu richten. Manche verfallen in Schockstarre, wollen sich nicht mit unbequemen Wahrheiten auseinandersetzen, machen einfach stur weiter ihren Job in der blinden Hoffnung, dass alles beim Alten bleibt.
So ging es damals auch mir. Meine Karriere gab mir zwar nichts, ich fühlte mich innerlich leer, trotzdem machte ich weiter. Aber letztlich holte mich doch alles ein und ließ sich irgendwann nicht mehr länger wegdrücken. Ich habe aus dieser Erfahrung gelernt, wertvolle Methoden entwickelt, die mir noch heute helfen, in schwierigen Situationen einen klaren Kopf zu behalten und mehr noch, ihnen als Herausforderung zu begegnen, an der ich wachsen kann.
Selbstverantwortung als Superkraft
Einer der wichtigsten Schritte ist, festzustellen, in welchen Bereichen man fremdbestimmt ist – folgt man bestimmten Erwartungen? Gibt es Glaubenssätze, die man nicht abschütteln kann, was hindert einen daran, „outside the box“ zu denken?
Aus meiner Sicht ist es keine Option mehr, auf „Inner Work“ zu verzichten. Die Zukunft mitzugestalten, heißt auch, sich lebenslangem Lernen zu verpflichten. Wir müssen uns von der Vorstellung lösen, dass wir ausgelernt haben und nun „fertig“ sind – in uns steckt mehr.
Inspiriert haben mich in meinem Leben immer wieder Menschen, die einen unbeirrbaren Optimismus an den Tag legten. Die nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern mit offenen Augen, neugierig und wissbegierig über das staunen, was auf sie zukommt. Zum Beispiel, die Kollegin, die sich mit Begeisterung auf neue KI-Applikationen stürzt und mit ihnen experimentiert. Statt auf Anweisungen zu warten, probiert sie einfach selbst aus, wie sie die Tools am besten einsetzt, um auf das nächste Level zu kommen.
Ich bin überzeugt davon, dass unser Geist darauf angelegt ist, zu wachsen. Entscheidend ist unsere Haltung. Wir können widerwillig den Ansprüchen von außen nachgeben, dann wird es sich wie eine Qual anfühlen; oder wir vertrauen darauf, dass wir etwas bewegen können und schöpfen Energie aus unserer eigenen Tatkraft.
In meinem Buch teile ich das, was auch Entscheider:innen immer wieder mitgebe, sei es in meiner täglichen Arbeit oder wenn ich z.B. an der University of Cambridge Leadership unterrichte: wie finden wir neue Narrative, die uns beflügeln, und welche Skills brauchen wir, um selbst die Zukunft mitgestalten zu können. Zudem leite ich mit zahlreichen Reflexionsfragen und Impulsen die Leser:innen dazu an, sich zu hinterfragen und sich Fähigkeiten anzueignen, die ihnen dabei helfen, in der Zukunft bestehen zu können.
Ali Mahlodji
Null Bock auf Arbeit
Wie du wirst, was morgen zählt
192 Seiten
ISBN 978-3-96739-269-2
€ 28,00 (D) | € 28,80 (A)
Über den Autor
Ali Mahlodji
Ali Mahlodji ist ein mehrfach ausgezeichneter Unternehmer, internationaler Keynote Speaker und Bestseller-Autor. Geboren in Persien und aufgewachsen in einem Flüchtlingsheim, begann sein Weg als stotternder Schulabbrecher – und führte ihn über mehr als 40 Jobs bis in die Top-Management-Ebene internationaler Tech-Konzerne. Heute begleitet er als CEO von futureOne Unternehmen, Führungskräfte, Bildungseinrichtungen und Privatpersonen durch Zeiten des Wandels. www.ali.do