My Big New von Wolf Reiner Kriegler

21.09.2023 | Wolf Reiner Kriegler

My Big New von Wolf Reiner Kriegler
Quelle: Zukunft Personal

Vom berühmte Personalmanager Albert Einstein ist ein mehr als 80 Jahre altes Zitat überliefert, dass angesichts der Klimakrise heute in anderer Form wieder Gültigkeit hat: “Eine neue Art des Denkens ist essentiell, wenn die Menschheit überleben und sich auf eine höhere Stufe entwickeln soll.“ Anders formuliert: Best Practice hilft nicht viel weiter, wenn klar ist, dass die bisherige Praxis nicht das Richtige ist. Die Zukunft können wir uns nirgendwo abschauen, wir müssen sie neu konstruieren. In der Arbeitswelt waren die letzten Jahre bereits geprägt von neuen Denkansätzen, zugleich auch vom Improvisieren und Experimentieren. Digitalisierung und New Work standen ebenso auf dem Programm wie eine lebensphasenorientierte Personalpolitik, die Einbeziehung von Corporate Health, Diversity und die wiederauftauchende Formel lebenslangem Lernen. Es gibt viele Ansatzpunkte, viele Aktivitäten, viele erkannte Herausforderungen. Und so langsam fügt sich ein Bild. Die HR-Welt stellt sich dar wie ein pazifischer Inselstaat, über tausende von Kilometern verteilt, und doch hängt alles irgendwie miteinander zusammen.

Connecting the dots

Von der sinnvollen Verknüpfung unserer vielen kleinen Inseln hängt ab, ob die Arbeitswelt der Zukunft den Herausforderungen gewachsen ist und ein den Menschen stärkendes, sinnvolles Gesamtgefüge bildet. Nötig dazu ist zuerst einmal mehr Kollaboration, und zwar sowohl über die Grenzen des Teilbereichs, als auch der Unternehmen hinweg. Zwar ist es nicht die Best Practice, die wir uns davon erhoffen dürfen, wohl aber die „Best Experiences“ und manchmal auch die „Worst Experiences“, die wir teilen müssen. Ich glaube tatsächlich, dass ein uraltes Handelsmuster das am meisten Wert schaffende Handlungsmuster in HR werden wird: Ein System des „Gabentauschs“. Geben und Nehmen. Ideen, Konzepte, Gedanken, vielleicht sogar (Wo)manpower. Wirtschaft wird immer ein Wettbewerbsfeld bleiben, aber angesichts existenzieller Bedrohungen muss das Feld des Wettbewerbs neu abgesteckt werden und ein zweites Feld der Gemeinschaft neu eröffnet werden. Erfolgreiche, nachhaltig wertschöpfende Wirtschaft wird sich in Ökosystemen definieren.
Die Natur stellt uns Herausforderungen, die Natur liefert uns Lösungen.

Going Green

A propos Natur. Da haben wir ordentlich Schaden angerichtet. Dass wir es – sarkastisches Wortspiel – selbst ausbaden müssen, haben wir lange ignoriert. Umso wichtiger ist es jetzt, dass wir die Versäumnisse der Vergangenheit schleunigst nachholen und unser Wirtschaft klimagerecht umbauen. Diese Herausforderung ist bekannt, ihre Dimension vermutlich aber noch nicht erkannt oder gar erfasst. Ich will es an einem Punkt festmachen – und Sie damit gleich mal neugierig machen, worüber wir auf der Zukunft Personal Europe auch diskutieren werden: Wie schauen Beschäftigte auf den Klimawandel? In unserer DEBA-Studie zur Arbeitgeberattraktivität haben wir gefragt, wie glaubwürdig die eigene Unternehmensführung beim Klima-Thema ist. Das Ergebnis lässt zu wünschen übrig – nur 25,8 % sehen ihren C-Level als glaubwürdig an. Der Rest des Feldes lässt erkennen, dass das Thema in den Unternehmen noch nicht angekommen ist, beziehungsweise eine gehörige Orientierungslosigkeit herrscht.

 

Statistik Glaubwürdigkeit von Unternehmen beim Klimaschutz

Worum es mir geht: Der Umgang mit dem Klimawandel ist auch eine Frage der Unternehmenskultur. Wollen wir das Problem meistern benötigen wir ein fundamentales Umdenken, wir müssen eine „Green Culture“ formen. Eine Kultur, die im Vertrauen auf die gemeinsam aktivierten Fähigkeiten die Zuversicht hat, auch die größte Transformationsaufgabe zu meistern und daran zu wachsen. Warum wir das unter Employer Branding diskutieren? Weil es genau da hingehört. Wo sonst wird im Unternehmen seit vielen Jahren darüber nachgedacht, wie man eine zukunftsfähige Kultur formen kann?

Über Wolf Reiner Kriegler

Wolf Reiner Kriegler Portrait

Wolf Reiner Kriegler ist der Kurator des Programmbereichs „Eployer Brand Area“ auf der ZPE23. Als Gründer und Geschäftsführer der Deutschen Employer Branding Akademie (DEBA) ist er der Pionier der Arbeitgebermarkenbildung in Deutschland. Sein 2022 neu aufgelegtes „Praxis-Handbuch Employer Branding“ (Haufe) ist das meistgelesene Werk der Branche in Deutschland.